Was dem Menschen nur schwer möglich ist, können Unternehmen von Zeit zu Zeit tun: sich verjüngen. Die Genossenschaft „Wohnungsverein Dessau eG“, einer der drei größten Vermieter der Stadt, befindet sich gerade auf diesem Weg. Welche Veränderungen bereits realisiert wurden und welche noch geplant sind, beantwortet uns der Vorstandsvorsitzende Lutz Dessau in einem Interview.

Herr Dessau, Sie lenken die Geschicke der Genossenschaft „Wohnungsverein Dessau eG“ seit Anfang 2018 und werden das Un- ternehmen quasi in die Zukunft führen. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Lutz Dessau: Kurz zusammengefasst sind es zwei Säulen, auf denen unsere Strategie aufbaut: Zum einen werden wir wie bisher auch zukünftig eine moderne und bezahlbare Wohnqualität gewährleisten und zum anderen möchten wir für unsere Mitglieder wieder mehr Gemeinschaftlichkeit ermöglichen. Wir wissen, dass sich gute Wohnungen und günstige Mieten oft ausschließen. Gerade in der aktuellen Zeit. Trotzdem wollen wir gemeinsam mit Baufachleuten interessante bautechnische Lösungen entwickeln. Eine mieterorientierte und kostenschonende Umgestaltung bestehender Wohnungen ist unser Ziel für zeitgemäßes Wohnen in Dessau.

Was meinen Sie mit Gemeinschaftlichkeit?

Lutz Dessau: Zur Entstehungszeit des Wohnungsvereins bildeten Wohnungsknappheit und der daraus resultierende gemeinsame Wohnungsbau die Grundlage unserer Genossenschaft. So ist eine Gemeinschaft entstanden, die sich gegenseitig unterstützte und auch Freizeit miteinander verbracht hat. Das Miteinander ist mittlerweile etwas in den Hintergrund geraten und wir möchten diesen Aspekt auf verschiedenen Ebenen wiederbeleben. Unser demokratisches und nicht an Gewinn orientiertes Genossenschaftskonzept kann neben günstigem Wohnraum also noch mehr leisten. Und der Anfang ist gemacht! Seit April treffen sich Mitglieder regelmäßig im „Erzählcafé“ und bei geführten Spaziergängen. Weiterhin werden wir ab September zweimal im Jahr gemeinsam eine Busreise unternehmen. Natürlich wenden wir uns damit in erster Linie an ältere Mitglieder. Aber auch die Jugend ist uns sehr wichtig. Beispielsweise beginnen wir in diesem Magazin, über aktuelle Hilfen und Fördermöglichkeiten für junge Gründer zu informieren, die wir dann auf unserer Website sammeln werden. Denn Gründungen sind auch eine „Chance“, jungen Leute interessante Perspektiven in der Stadt zu ermöglichen. Ganz aktuell bieten wir ein Starterpaket an, das den Weg in die erste Wohnung erleichtern wird.Dessau.

Wie gehen Sie nun konkret in Sachen Wohnqualität vor?

Lutz Dessau: Das Wohnungsangebot in der Stadt enthält sehr viele gleichartige Wohnungen. Es fehlen Ausstattungsvarianten und andere Wohnungsgrößen, z.B. große Wohnungen um 100 qm, die aber für viele interessant sind. Genau hierauf werden wir reagieren und unser Angebot vielfältiger gestalten. Eine erste neue Wohnungsserie bieten bereits an. Die Bezeichnung „Serie“ ist so gewählt worden, weil wir hier viele Optionen anbieten können, aus denen der Mieter auswählen kann. Das Ergebnis sieht toll aus, finde ich, und ich hoffe, dass das auch viele Dessauer so sehen. Wir sind gespannt. Unsere Planungen für Familienwohnungen sind noch nicht abgeschlossen. Eine Richtung sehen Sie oben. Unsere Gebäudesanierung im Muldeviertel haben wir im Januar abgeschlossen und aktuell läuft eine Modernisierung der Gebäude Helene-Meier-Straße 9–11 und Wilhelm-Bieser-Straße 14–17. Dort wird energetisch saniert und die Fassade farblich neugestaltet, Balkone werden erneuert bzw. fehlende werden ergänzt und wir werden das Wohnumfeld ansprechend gestalten. Für die Aufwertung der beiden Gebäude in der Hausmannstraße 2-16 haben wir uns entschieden, in diesem Jahr acht Aufzüge einzubauen und damit den Mietern das Treppensteigen abzunehmen.

Der Klimaschutz ist in aller Munde. Was tun Sie dafür?

Lutz Dessau: Anfang 2019 wurden die ersten zwei Gebäude in der Ackerstraße und in der Neuendorfstraße mit modernen Photovoltaikanlagen ausgestattet. Damit sind wir der erste Großvermieter Dessaus, der seinen Mietern klimaneutralen und preiswerten Sonnenstrom anbieten kann. Der Strompreis wird dabei deutlich unter dem örtlichen Grundversorgertarif liegen. Der auf dem Dach erzeugte Sonnenstrom wird direkt an die Mieter des Hauses geliefert und im Haus verbraucht. Nicht verbrauchter Strom wird wiederum in das öffentliche Netz eingespeist. In den nächsten 20 Jahren können durch den selbst produzierten Ökostrom über 1200 Tonnen CO2 eingespart werden. Die Einsparung von Ressourcen und Primärenergie übersteigt den Verbrauch für die Herstellung der Anlage bei Weitem.

Der Wohnungsverein Dessau hat auch ein neues „Gesicht“. Warum war das nötig?

Lutz Dessau: Ja, Anfang dieses Jahres haben wir begonnen, unser neues Corporate Design einzuführen. Wir möchten so den Wandel und die Erneuerung im Unternehmen auch nach außen sichtbar machen. Wir werden die Mediengestaltung unserem neuen Selbstverständnis entsprechend anpassen, wie beispielsweise unser Magazin. Mit diesem wollen wir weiterhin unsere Mitglieder informieren, aber auch andere, die sich für unsere Genossenschaft und unsere Aktivitäten interessieren. Es soll und wird sich mehr in das Dessauer Geschehen einbinden. Wir gehen damit über die genossenschaftlichen Belange hinaus und werden uns auch für die aktuellen Themen in der Stadt engagieren – z.B. werden wir uns aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Raums im Quartier „Am Leipziger Tor“ beteiligen.

Wir verwenden Cookies, um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.