Sonnenstrom-Allianz gestartet Mieterstrom - Pilotprojekt ging ans Netz

Die Stadtwerke, elektroma und die Genossenschaft Wohnungsverein Dessau vereinbarten im September 2018 ein kommunales Pilotprojekt zur Errichtung von Photovoltaikanlagen zur Erzeugung günstigen Sonnenstroms für Mieter. Nun konnte der erste Teilabschnitt abgeschlossen werden. Von Juni bis Mitte November 2019 wurden moderne und leistungsfähige PV-Anlagen auf vier Gebäuden am Standort Amalien-/ Chaponstraße installiert und in Betrieb genommen.

Stadtwerke Dessau sind Allroundpartner

Die Bärenaufgabe bei diesem Teil der Energiewende liegt bei den Energiedienstleistern. Aufgrund der komplizierten Gesetzgebung dauert es etwa acht Monate von der Planung bis zur Inbetriebnahme einer Anlage, dabei liegt die Förderung zurzeit lediglich bei 1 Cent je Kilowatt. Mark Müller, DVV-Fachbereichsleiter Energiedienstleistungen, erläutert uns die komplexe Rolle der Stadtwerke bei diesem Prozess: „Wir planen die Anlage, nutzen die Dachfläche, lassen die Photovoltaikanlage errichten, verbinden das Objekt mit unserem Ökostromnetz und speisen bei Bedarf Strom ein. Wir lassen zu viel produzierten Strom vergüten und bieten Strom den Mietern an. Gleichzeitig tragen die Stadtwerke das wirtschaftliche Risiko. Die Kunden bescheinigen uns Verlässlichkeit und vertrauen uns. Über 80 Prozent der Mieter haben sich bereits für den günstigen Sonnenstrom entschieden.“

Eigenes Softwaremodul entwickelt

„Aus voller Überzeugung haben wir uns an dem Pilotprojekt beteiligt und zugesagt, mit unseren Anlagen den Mietern des Wohnungsvereins klimaneutralen Sonnenstrom anzubieten, denn wir hatten uns mit dem Thema schon zuvor ausgiebig beschäftigt“ bekräftigt Mark Müller. „Wir sehen darin auch die Möglichkeit, die Energiewende in die Städte zu bringen. Dorthin, wo bislang kaum grüner Strom erzeugt wird, denn für Windräder fehlt es an Platz und der Eigenheimanteil im Zentrum ist überschaubar. Darum haben wir auch eine eigene Softwarelösung auf SAP-Basis entwickeln lassen, die den komplexen Prozess serviceorientiert steuern kann. Ohne diese Lösung müssen Unternehmen mit Hilfe von Excel-Tabellen die Arbeit leisten. Wir glauben auch, dass wir diese Lösung an andere Energiedienstleister verkaufen können, denn Vergleichbares ist uns nicht bekannt.“

Überprüfung der Dächer vor Installation

Insgesamt plant die Genossenschaft Wohnungsverein Dessau, bis Ende nächsten Jahres auf weiteren Gebäuden Photovoltaikanlagen installieren zu lassen. Vorstand Lutz Dessau hat dabei zwei Ziele: „Wir wollen zum einen klimaschonender agieren und zum anderen die Betriebskosten senken. Das Mieterstrom-Modell kann beides und ist für uns ein idealer Weg. Und die Stadtwerke Dessau sind wiederum der ideale Partner, weil sie alle nötigen Leistungsbereiche abdecken können und auch die rechtlichen Aspekte im Blick behalten. Im Rahmen des Projektes besteht unsere Hauptaufgabe darin, geeignete Dachflächen zur Verfügung zu stellen. Aber auch der Sanierungszustand muss stimmen, denn PV-Anlagen können nur auf Dächern montiert werden, die eine Nutzbarkeit von mindestens 20 Jahren erwarten lassen. Das ist nicht überall gegeben, beispielsweise nicht bei Dächern, deren Instandsetzung länger als zehn Jahren zurückliegt.“ Für die aktuellen Anlagen musste der Wohnungsverein nur ein Dach im Agnesviertel überarbeiten. Die Standortwahl für die nächsten Gebäude und die Eignungsprüfung der Dächer sind in Arbeit, damit es im Frühjahr 2020 zügig weitergehen kann.

Über 20 Jahre PV-Erfahrung

Verantwortlich für die Planung und Installation der PV-Anlagen war die Dessauer elektroma Elektromontagen GmbH. Elektroma hat bereits seit 1996 Erfahrungen mit einer eigenen Anlage auf dem Firmendach sammeln können und gilt als einer der beiden führenden Spezialisten für die Installationen großer PV-Anlagen. Auch das Bundesumweltamt hatte dem Team um Geschäftsführer Ralf Matheis in Sachen Photovoltaik vertraut. Matheis formuliert dazu: „Für die Planung konnte der bisherige Eigenverbrauch in den Häusern herangezogen und auf die benötigte Leistung optimal abgestimmt werden. Rund 35 Kilowatt produzieren die neuen Systeme. Die drei Objekte in Süd Ausrichtung etwas weniger als das eine mit Ost-West-Ausrichtung. Und neben den 420 Modulen befinden sich die teils 20 Kilowatt leistenden Wechselrichter aus Brandschutzgründen auch auf den Dächern.“ Nach der produktivsten Sonnenstromzeit befragt, benennt Ralf Matheis eindeutig den Frühling mit 25 Grad. „Im Sommer, wenn die Sonne knallt, werden die Module zu heiß und produzieren weniger. Aber auch bei bedecktem Himmel reicht die Sonneneinstrahlung für die Stromerzeugung.“